Neue Folge Blaubart & Ginster: "Schneeland" von Yasunari Kawabata
Für den Müßiggänger Shimamura ist Liebe eine vergebliche Mühe. Für die Geisha Komako ist Liebe ein Wagnis, das sie eingeht. Die Beiden begegnen einander in einem verschneiten Kurort, kommen sich näher und bleiben sich fern. "Schneeland" ist eine Erzählung von rätselhafter Schönheit, die sich einer konventionellen Lesart entzieht. Und auch das Leben ihres Autors Yasunari Kawabata, des ersten japanischen Nobelpreisträgers für Literatur, klingt wie der Stoff für eine tragisch-unheimliche Geschichte.
Donnerstag, 12.02.2026
Jorge Luis Borges: Das Aleph | Long Story Short
Unsere YouTube-Serie "Long Story Short" stellt Werke der Literaturgeschichte in Animationsvideos vor!
Folge 7: Jorge Luis Borges, der blinde Bibliothekar der Weltliteratur, war immer wieder unglücklich verliebt. Seine bekannteste Erzählung verbindet die Melancholie einer verlorenen Liebe mit einer mystischen Erfahrung. In einem Keller in Buenos Aires findet sein Alter Ego das Aleph: einen Punkt im Raum, der alle Orte der Welt enthält. Im Anblick des Alephs erlebt er nicht nur das Unendliche, er muss sich auch der Natur von Erinnerung und Vergänglichkeit stellen.
Text: Ralf Schönfelder | Film, Kamera, Animation, Editing, Puppets: Tina-Maria Feyrer | Darsteller*innen: Daniela Zacherl, Christian David | Prop Maker: Philipp Blihall | Sprecherin: Lysann Schläfke | Musik, Mastering: Leshrac | Ton: Harald DuBellier | Projektleitung: Ralf Schönfelder, Romina Nikolić | Gefördert durch das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur
Freitag, 05.12.2025
Nachruf auf Jens Henkel
Am 7. August 2025 starb Jens Henkel nach langer, schwerer und tapfer ertragener Krankheit. Was für ein Verlust. Das Ungewöhnliche seines Wirkens liegt in der Vielschichtigkeit seiner Profession und Ämter, die sich einander ergänzten. Der studierte Museologe und Historiker war von 1976 bis 2018 am Thüringer Landesmuseum Heidecksburg in Rudolstadt tätig. Weit über seine Heimatstadt hinaus ist er als Verleger der Burgart-Presse bekannt, in der er bibliophile originalgraphische Text- und Bildbände herausgab. Ihre Gestaltung lebt von Witz und Originalität – und nicht zuletzt von Jens Henkels einfühlsamem Kunstverständnis. Davon zeugen die Bücher mit Matthias Biskupek, Kay Voigtmann und Andreas Berner.
Der Lese- Zeichen e.V. darf sich glücklich schätzen, dass Jens Henkel gemeinsam mit dem Verein in der Burgart-Presse den Band „Steinstimmen“ herausgab. Autoren, bildende Künstler und Komponisten stellten dafür Beiträge zur Verfügung, die sich mit der Heidecksburg, Burg Ranis und der Schwarzburg auseinandersetzten.
Jens Henkels Anliegen war immer, Thüringer Künstlerinnen und Künstler zu fördern. Doch sein Programm war nie provinziell, sondern von einer tiefen Welthaltigkeit durchdrungen, was sich beispielsweise in den Rudolstädter Schriften zeigt. Auch scheute sich Jens Henkel nicht, unterschiedliche literarische Epochen und Richtungen in sein Schaffen aufzunehmen.
Neben seiner Arbeit als Verleger war Jens Henkel als Politiker für Rudolstadt tätig. Dabei ist zu betonen, dass Politik, Kunst und Verwaltung für ihn in einem umfassenden Kulturbegriff aufgehoben waren. Dies gilt ebenso für seine mannigfache Ausstellungstätigkeit, so im Schillerhaus in Rudolstadt, im Zeughaus auf der Schwarzburg und natürlich auf der Heidecksburg. Seine weltgewandte Haltung wirkte sich auch auf die Programmgestaltung des Rudolstädter Theaters aus.
Wir werden Zeit brauchen, um aus Jens Henkels Wirken immer wieder Kraft zu schöpfen, auch um zu neuen Ufern zu gehen.
Im Auftrag des Vorstandes
Martin Straub
Mittwoch, 16.04.2025
Neue Folge Blaubart & Ginster: Virginia Woolf
Ein Spaziergang am Strand ist das Actionreichste, was die äußere Handlung von Virginia Woolfs „Zum Leuchtturm“ zu bieten hat. Ein langweiliger Roman also? Keineswegs! Er erzählt von den Gedanken und Gefühlen der Familie Ramsey, die – gemeinsam mit einigen Freunden – Urlaub in ihrem Haus am Meer macht. Dabei ist die Darstellung der Bewusstseinsprozesse so geschickt, sind die Figuren selbst so interessante Persönlichkeiten, dass der Text einen nicht mehr loslässt. Vorausgesetzt der Einstieg gelingt …
Mittwoch, 09.04.2025
Neue Folge Blaubart & Ginster: Werner Herzog
Im Winter 1974 geht Werner Herzog zu Fuß von München nach Paris – einer spontanen Eingebung folgend – weil er den Tod der krebskranken Filmhistorikerin Lotte Eisner verhindern will. Seine Reiseaufzeichnungen veröffentlicht er unter dem Titel „Vom Gehen im Eis“.
Ralf und Mario finden viele Motive aus den Filmen des großen Regisseurs in diesem Buch wieder. Darunter die Suche nach ekstatischer Wahrheit in Momenten der Grenzüberschreitung. Und das Gespür für unterschlagene Geschichten und Charaktere.
Dienstag, 11.02.2025
Neue Folge Blaubart & Ginster: Heiner Müller
Heiner Müller fand das Material für sein Werk in den Trümmern der deutschen Geschichte: staatliche und individuelle Gewalt, gescheiterte Utopien, die Auflösung von Identität. Seine Theaterstücke schließen zunächst an Brecht an und werden später immer radikaler. Fragmente. Wilde Szenenfolgen. Offene Kunstwerke voller Widersprüche. „Krieg ohne Schlacht“ ist Heiner Müllers Autobiographie und erzählt vom „Leben in zwei Diktaturen“ – ein echter Pageturner!
Mittwoch, 20.11.2024
Robert Louis Stevenson: Die Schatzinsel
„Die Schatzinsel“ ist der beliebteste Abenteuerroman der Weltliteratur. Schon wenige Jahre nach seinem Erscheinen galt er Zeitgenossen als Klassiker. Ralf und Mario schnappen sich eine Buddel voll Rum und klettern auf des toten Mannes Kiste, um über Robert Louis Stevenson, Long John Silver und die zahlreichen Schatzinsel-Adaptionen zu sprechen.
Mittwoch, 31.07.2024
Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen
Friedrich Dürrenmatts Kriminalromane drehen sich um die Fragen: Ist Gerechtigkeit möglich? Triumphiert das Böse in einer Welt ohne Gott? Und wie viel Wirklichkeit hängt vom Zufall ab? Ralf und Mario rekonstruieren, wie der berühmte Schweitzer Autor ein Unterhaltungsgenre nutzte, um ein Weltmodell einzureißen.
Montag, 03.06.2024
Blaubart & Ginster: Ingeborg Bachmann
Ingeborg Bachmann war ein Star der deutschsprachigen Literatur nach 1945. Ihre Gedichte verbinden die Erschütterung über das Unheil des Krieges mit der Hoffnung auf die Befreiung aller Menschen, Sprachskepsis mit Sprachutopie, Avantgarde mit klassischen Formen. Mario und Ralf betrachten Bachmanns Lebensweg und den Kontext der Lyrik nach dem Weltkrieg.
Die neue Folge unseres Podcasts "Blaubart & Ginster" hört ihr:
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Dienstag, 09.04.2024
Zum Tod von Hubert Weiße
Foto: Romina Nikolic
Am Dienstag, dem 27. Februar 2024, 19.30 Uhr starb der Wirt des Gasthauses „Zur Schmiede“ Hubert Weiße in seiner Wohnung. Diese bittere Nachricht empfing ich am Mittwochvormittag. Und immer wieder kam damit die Frage: Ranis ohne Hubert? Ich kann es noch immer nicht fassen. Solchen schmerzlichen Endgültigkeiten steht man hilflos gegenüber. Hubert ist tapfer mit seiner Krankheit umgegangen. Er hat anderen damit Mut gemacht und er steckte noch voller Pläne.
Als Landolf Scherzer, Matthias Biskupek und ich vor gut 30 Jahren nach Ranis kamen, um mit Vertretern der Pößnecker Druckerei über mögliche Literaturtage auf der Burg zu sprechen, kehrten wir natürlich in der „Schmiede“ ein. Und Hubert, hinter dem Tresen unübersehbar, neugierig, skeptisch und immer gesprächsbereit, gab Ratschläge. Die Gaststätte, mit ihren Sprüchen und Bildern, ein einmaliges Ambiente, wie viele haben es mit den ersten Blicken staunend zur Kenntnis genommen, ob Harry Rowohlt, Norbert Blühm mit seinen Kinderbüchern unterm Arm oder die Schriftstellerin und Goethe-Forscherin Sigrid Damm. Und Hubert? Selbstbewusst und freundlich, nicht ohne Ironie, den Schalk im Nacken, gab Auskunft und natürlich ein „Schmiedefeuer“.
Hubert hatte vor der Übernahme der Gaststätte 1993 als Landmaschinen-Schlosser in Krölpa gearbeitet und dort auch seinen Meister gemacht. Feuerwehrchef war er über 10 Jahre im Ort und natürlich war er im Männerballett des Karnevalsvereins. Hubert, ein Mann, der die Geselligkeit liebte, sein so eigener Humor war ab und zu rau und gewöhnungsbedürftig, doch er kam von Herzen und wenn er ganz grimmig ausschaute, kam meistens was Lustiges. Und eines sei betont. Seine soziale Ader und seine soziale Arbeit. Insofern war er für das Leben in der Stadt ungemein wichtig.
Ein Höhepunkt der Thüringer Literaturtage war der Poetry Slam im Raniser Winkel, ohne Hubert undenkbar. Seit 2008 findet dieser Dichterwettstreit nun statt. Und er ist weit über die Grenzen von Ranis bekannt, einschließlich Huberts Soljanka natürlich. Was die Gäste kaum ermessen können, ist die aufwendige Vorbereitung. All das ist weit mehr als „bloße Volksbespaßung“. Wie auch die Lesungen in der „Schmiede“ Höhepunkte im literarischen Leben waren. Ob Lyriklesungen oder Märchenstunden.
Leb wohl, Hubert, Du hast für unseren Verein, den Lese-Zeichen e.V., viel getan. Marius Koity, dem OTZ-Journalisten erzählte Hubert, er habe „im Laufe der Literaturjahre hunderte Schriftsteller vom blutjungen Slammer bis zu ergrauten Nobelpreiskandidaten verköstigt“. Und so ist es kein Wunder, wenn er in Gedichten und Essays verewigt wurde. Wie schrieb doch der ehemalige Stadtschreiber von Ranis, Andrè Schinkel. In seinem „SONG FOR HUBERT“
Jubilate Dir, Hubert!-
Hüter der Schmiede,
Verwalter der Karten,
Erhalter des Geistes!
Jubilate Dir, Hubert!-
Erlöser der bierlosen Nächte,
Wächter des großen,
Einzigen Hämmerklaviers!
Wenn die Sonne über
Den Burgwall nach Hause geht,
gibt es noch Licht in
Den Fenstern im Eckhaus...“
Martin Straub im Namen des Vorstandes