Neue Folge Blaubart & Ginster: "Das Fräulein von Scuderi"
Die erste Kriminalgeschichte der deutschen Literatur handelt von einem Serienmörder in Paris. Darin verwischt E.T.A. Hoffmann die Grenzen zwischen den Monstern der Phantastik und dem Monströsen der menschlichen Psyche: Denn ein böser Stern flüstert dem Mörder die Verbrechen ein. Schon Sigmund Freud war von Hoffmanns Kenntnis des Unbewussten beeindruckt. Mario und Ralf sind es ebenfalls.
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Montag, 11.12.2023
Neue Folge Long Story Short: Else Lasker-Schüler
Unsere YouTube-Serie "Long Story Short" stellt Werke der Literaturgeschichte in Animationsvideos vor!
Folge 5: Exzentrisch? Natürlich. Ausschweifend? Vielleicht. Verliebt? Immer. Vieles ist wahr, was über Else Lasker-Schüler erzählt wird. Unser Video berichtet von Werk und Leben der großen Dichterin: ihrer poetischen Phantasie, den unglücklichen Liebesbeziehungen und der Flucht vor den Nazis.
Text: Christine Hansmann | Animation: Lucia Schmidt | Sprecherin: Lysann Schläfke | Musik, Mastering: Leshrac | Ton: Harald DuBellier |
Projektleitung: Ralf Schönfelder, Romina Nikolić | Gefördert durch die Thüringer Kulturstiftung
Montag, 11.12.2023
Peter Handke: In einer dunklen Nacht ging ich aus meinem stillen Haus
Ein Mann oder eine Frau verlassen ihr Zuhause, gehen eine Weile zu Fuß durch die Welt und irgendwann gibt es ein Fest. Seit vierzig Jahren variiert Peter Handke dieselbe Geschichte. Trotzdem lesen Mario und Ralf seine Bücher immer wieder gern. Was es auf sich hat mit Handkes Poesie der Verlangsamung, seiner weltlichen Mystik und Liebe zur Romanik, darum geht es in dieser Folge Blaubart & Ginster.
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Montag, 11.12.2023
Arno Schmidt: Schwarze Spiegel. Eine neue Folge Blaubart & Ginster
Ein Misanthrop in der Postapokalypse: der Protagonist in „Schwarze Spiegel“ ist froh, als letzter Mensch durch die Ruinen Europas zu wandern – jedenfalls will er uns das glauben machen. Arno Schmidts Prosa ist unverwechselbar! Er mischt kurze Erlebnis- und Bewusstseinssplitter mit romantischen Naturbeschreibungen. Ralf & Mario begeben sich außerdem auf eine Landpartie durch Schmidts Leben und Werk.
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Montag, 11.12.2023
Landschaften. Zum Tode von Wulf Kirsten
Foto: Dirk Skiba
„Zwei Jungen laufen auf der Kleinen Triebisch. Der kurvenreiche Eisweg durch verschneite Wiesen scheint niemals zu enden. Zwei immer kleiner werdende Punkte, die in einem Raum von grenzenloser Tiefe verschwinden. Der Erinnerung kommt es so vor, als habe an jenem Dezembertag im letzten Kriegswinter die Zeit den Atem angehalten für zwei Zehnjährige. Einer von beiden muß ich gewesen sein.“
So der letzte Absatz der Erzählung „Winterfreuden“ aus dem Band „Prinzessinnen im Krautgarten, Eine Dorfkindheit“, der 2000 bei Ammann erschien.
Wulf Kirsten starb am 14. Dezember 2022. 1934 in Klipphausen bei Meißen geboren, führte ihn sein Weg über eine kaufmännische Lehre 1965 nach Leipzig, wo er nach dem Besuch der Arbeiter- und Bauernfakultät an der Universität ein Lehrerstudium für Deutsch und Russisch absolvierte. Nach kurzer Arbeit im Schuldienst wurde er Lektor beim Aufbau-Verlag in Weimar. Seit 1987 ist er als freier Schriftsteller und Herausgeber tätig. Soweit einige äußere Daten, nüchtern notiert.
Aber wie einem großen Dichter gerecht werden, dessen Landschaftsgedichte, Erzählungen und Essays sich weit über den Mitteldeutschen Raum und die deutschsprachige Literatur hinaus in ihrem oft auch trotzigen Eigenwert behaupten?
Die Thüringer Literatur hat Wulf Kirsten unendlich viel zu verdanken. Er hat vielen Talenten mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Zu denken ist an Nancy Hünger, Christian Rosenau, Jan Röhnert, Daniela Danz und viele andere. Als ich 1993 als Projektmanager zu arbeiten begann, habe ich enorm viel von ihm gelernt. Eine erste Begegnung mit ihm hatte ich freilich schon 1970 im Jenaer Studentenkeller. Er las aus „Satzanfang“.
Wenn er sich am Telefon mit „Kirsten“ meldete, gab es zwischen r und s eine ganz kleine Pause, ein Name mit Nachdruck. Das werde ich nun nicht mehr hören können. Das ist bitter genug. Aber ich weiß, dass wir sein vielfältiges Werk noch lange nicht genug zur Kenntnis genommen haben.
Er hat ja immer wieder betont, er sei kein Natur- sondern ein Landschaftslyriker. Schon der frühe Essay „Entwurf einer Landschaft“ in seinem ersten Lyrikband „Satzanfang“ handelt davon, wenn er ein Wort des sorbischen Dichters Kito Lorenc (1938-2017) aufnimmt und die Landschaft als „Raum des Menschlichen“ begreift. Und das führt ins Weite, so eng der Ausschnitt auch anmuten mag, „Die Erde bei Meißen“ oder die Thüringer Landschaft. Ein pars pro toto. Denn es lebt von den Diskontinuitäten und Sprüngen, den Verwerfungen in dieser „Welt der Extreme“. Es ist eine Eigenart, dass Kirsten dabei verlorenes Wortgut ans Licht hebt. Aus solchen Intentionen heraus ist es nur verständlich, dass er „die verheerende Destabilisierung“ seiner Landschaften von Anfang an zum Thema seines Schreibens bis hin zur Gegenwart macht. Ja, aus diesen Gedichten spricht Zorn. Dabei geht es ihm nicht allein um die malträtierte Natur, sondern vor allem auch darum, wie mit der sogenannten „Kollektivierung der Landwirtschaft“ und der damit einhergehenden Großraumwirtschaft eine bäuerliche Kultur und eine landwirtschaftliche Struktur verloren geht. Er unterstreicht das mit grimmigen Wortneubildungen: „schrumpfwald“, „kahlschlaggesellschaften“ „flußlebensläufe [werden] begradigt“. Nach 1989 wird er dann kritisch auf die begradigten Lebensläufe blicken und sich politisch für die Erneuerung der Gesellschaft einsetzen.
In solchen Zusammenhängen ist noch ein Thema hervorzuheben. Weimar und sein “Berg über der Stadt“. Buchenwald, der Lieblingsort Goethes und das KZ. Verwiesen sei auf das „Lesebuch“ „Stimmen aus Buchenwald“, die mit Annette Seemann wieder entdeckte Anthologie „Der gefesselte Wald“ und das Fotobuch mit Harald Wenzel-Orff. Das Gedicht „September am Ettersberg“ macht offenbar, wie weit seine Thematik in dieser Hinsicht gespannt ist. Und ich frage, wird dieses Lesebuch über Buchenwald in den Schulen gelesen?
Kirsten wird für uns von immer größerer Wichtigkeit werden in Hinblick auf seinen Umgang mit Zeitgeschichte. In „Textur“ findet man den Essay „Geschriebene Aquarelle. Die Tagebücher des Malers Kurt Querner“. Was er über den Maler äußert, charakterisiert ihn zugleich selbst. „Er war Empörer und Gestalter, Gestalter aus Empörung. Er mußte seinen Weg „von unten auf“ nehmen. Er beschränkte sich strikt auf seine leicht abzusteckende Erlebniswelt, ohne der Gefahr des Provinziellen zu erliegen. Seine Kunst jedoch kommt von weit her.“
Landstieg
auf baumpfaden im nirgendwohin,
graslilien flächendeckend
hangunter in voller blüte,
wie zart, wie filigran
dieser grundton der erde
und woher nur genommen?
grasspringer inmitten,
augenscheinlich nachgerade,
was weiß ich, unterwegs
auf ausgedienten landstieg,
der sich verwirrt hat
und nicht mehr weiß, wohin
sich winden und wenden,
weithin beiläufig tagesglanz
uns freiwillig überlassen
allgegenwärtig ausgewitterte
felsbrocken, ausgewürfelt
von abschüssigem felsengurtband,
laubflecken im schattenwurf,
und du fragst mich entgeistert,
efeugewandet, in welcher welt
leben wir hier unter soviel
ungebärdiger krächzender einsamkeit?
was da so flimmrig schwirrt,
sei das licht der natur, nicht
zu ergründen, nimm diesen landstieg an,
so wie er uns trägt, als sei er
schlichtweg das mundum seiner selbst.
Martin Straub
im Auftrag des Vorstandes des Lese-Zeichen e.V.
Montag, 11.12.2023
Jorge Luis Borges: "Fiktionen" im Literaturpodcast Blaubart & Ginster
Kurz vor der Buchmesse widmen Ralf Schönfelder und Mario Osterland ihre Sendung dem Hüter der Bücher, dem blinden Bibliothekar der Weltliteratur, Jorge Luis Borges. Erfahrt mehr über Borges Leben und seinen bahnbrechenden Erzählband "Fiktionen". Es geht um Metatexte und Textlabyrinthe, um Politik und Perón, Realität und (Magischen) Realismus, Umberto Eco und Clemens Setz.
Montag, 11.12.2023
Nachruf auf Matthias Biskupek
Am 11. April 2021 starb Matthias Biskupek nach langer schwerer, tapfer ertragener Krankheit zu Hause im Kreis seiner Familie. „Tapfer ertragen“ sagt viel aber nicht alles. Er hat gegen den Tod angeschrieben. Sein letzter Eintrag in seinem Online-Tagebuch ist am 3. und 4. März datiert.
Nicht nur die Thüringer Literatur hat Matthias Biskupek viel zu verdanken. Bestechend seine Vielfalt, die sich in einer erstaunlichen Publikationsliste niederschlägt. Er war ein vielschichtiger Erzähler mit einer sensiblen und treffsicheren kurzen Prosa. Er schrieb Romane und veröffentlichte mit Jens Henkel zusammen Künstlerbücher in der burgart-presse. Nicht zu vergessen seine Features und Kabaretttexte und besonders seine Literatur- und Filmkritiken. 30 Jahre war er für den „Eulenspiegel“ tätig. Ich habe ihn immer um diese Knappheit und Treffsicherheit seiner Texte beneidet. Es gibt einen Band, den ich besonders gern habe: „Die geborene Heimat. Spöttische Lobreden“. Es ist der achte in der von Wulf Kirsten herausgegeben „Thüringen-Bibliothek“, 1999 im Hain Verlag erschienen. Man lese „Der verwunschene Berg“ und „General-Jahreszeit. Thüringen ist ein Land für den Winter“. Kirsten nennt es in seinem Nachwort ein „Kabinettstück“. „Auf wenigen Seiten wird hier ein Gleichnis gegeben für erzwungene eingeschränkte Lebensführung. Mit dieser einen Situation wird der ganze Widersinn eingefangen, der uns auflag und in dem wir eingestrickt waren, eingemauert, aus der Welt herausgemauert, um auf das Gedicht „Mauern“ von Konstantin Paustwski anzuspielen.“
Matthias Biskupek schreibt nicht nur hier Erzählungen von einer erstaunlichen atmosphärischen Dichte. Diese Vielseitigkeit und Frische hat ganz sicher auch mit einer Lebenshaltung zu tun. Der in Chemnitz geborene und in Mittweida aufgewachsene Sachse und studierte Diplomingenieur fühlte sich schon als Student zum Schreiben hingezogen und absolvierte die viel besprochenen Poetenseminare in Schwerin. Was ihn wohl bei all seinen Unternehmungen auszeichnete, war eine Neugier auf das Leben mit seinen Ecken, Kanten und Konflikten, ihnen stellte er sich. Matthias war viel unterwegs. Es muss für ihn mit Beginn der Krankheit besonders schlimm gewesen sein, sein Lebensfeld mit mancher lieb gewordenen Gewohnheit immer mehr einschränken zu müssen. Die Aufgabe der Berliner Wohnung hat ihn besonders hart getroffen.
Nein, er hat nicht gejammert. Er war kein Mann von Traurigkeit. Das prägte den Geist seiner Bücher. Und mancher hat ihn nach der Wende missverstanden. Oder wollte ihn missverstehen. Er hat nicht den Staat DDR verteidigt. Wohl aber sein Leben in der DDR. Und das war ein reiches, sicher auch widersprüchliches. Auch die letzten Bücher sprechen davon. Ihnen ist nicht anzumerken, unter welchen krankheitsbedingen Erschwernissen sie entstanden. Jenes über Renate Holland Moritz „Du mit Deiner frechen Schnauze“, zusammen mit Reinhold Andert und „Das literarische Rudolstadt“. Eine bemerkenswerte Literaturgeschichte, gleichsam von unten geschrieben, frei von akademischer Trockenheit, höchst lebendig, ein vergnügliches Leseerlebnis. „Wie’s Läbm so spielt!“ Überhaupt: Matthias und das Mittweeder Sächssch.
Und natürlich sei noch an eines gedacht: An das Thüringer Literaturquintett mit Matthias Biskupek, Hans-Jürgen Döring, Frank Quilitzsch, Landolf Scherzer und mir. Es waren wunderschöne Jahre mit den Lesungen für einen guten Zweck. Die letzten Auftritte im vergangenen Juli in Schmalkalden und zur Feier anlässlich des 70. Geburtstages von Matthias am 24. Oktober in Rudolstadt. All das hätte er nicht ohne die liebevolle Fürsorge seiner Frau Sigrid geschafft. Sie hat ihn aufopferungsvoll in den letzten Wochen, Tagen und Stunden gepflegt. Ich habe bewundert, wie Matthias trotz allem Unbill mit großem Lebensmut dieses Los auf sich genommen hat. Er wird uns fehlen, es schnürt einem die Kehle zusammen. Was machen wir mit dem Q? Jetzt, wo wir nur noch zu Dritt sind. Wir bleiben beim Q. Ganz im Sinne von Matthias Biskupek und Hans-Jürgen Döring. Es gibt noch genug zu tun.
Martin Straub im Namen des Vorstands des Lese-Zeichen e.V.
Montag, 11.12.2023
Neue Folge Blaubart & Ginster: "Das Jahr magischen Denkens"
„Ein einziger Mensch fehlt dir, und die Welt ist leer.“ Joan Didion schreibt von der beängstigenden Stille, die auf den plötzlichen Tod ihres Ehemannes folgt. Und sie stellt befremdet fest, dass ihre Gedanken darum kreisen, wie sie seinen Tod ungeschehen machen, unter welchen Bedingungen er zurückkehren kann. Ihr „Jahr magischen Denkens“ hat begonnen.
Mario und Ralf sprechen über ein Buch, das klug, nüchtern und manchmal erschütternd von Verlust erzählt.
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Montag, 11.12.2023
Elias Canetti: Die Stimmen von Marrakesch
Elias Canetti erhielt 1981 den Literaturnobelpreis – und dennoch ist er heute fast vergessen. In seinem Buch „Die Stimmen von Marrakesch“ sammelt er einfühlsame Aufzeichnungen über eine faszinierende Stadt: ihre Märkte, ihre Bettler, ihre Kinder. Eine echte Entdeckungsreise also.
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Soeben erschienen: "Zwischenhalt Erde" von Martin Knuth
Hat jemand gesagt, es gäbe in unserem Alltag keine Geheimnisse mehr? Dann sei ihm Martin Knuths Debüt »Zwischenhalt Erde« ans Herz gelegt. Denn die Magie dieser neun Erzählungen speist sich aus dem, was nicht erzählt wird. Im Tanz um eine leere Mitte kippen sie umstandslos von Vergnügen in Verstörung – und ziehen uns so den sicher geglaubten Boden unter den Füßen weg. Fährt der verlorengegangene Waldspaziergänger aus »Südlich der Katalaunischen Felder« auf der Rampe eines Pick-ups seiner Rettung oder seinem Ende entgegen? Welche Rituale werden im Hinterzimmer eines ganz normalen Supermarktes mit frischen Kaninchen zelebriert? Und was für ein Spiel treibt »Herr Rendler« mit Fernglas, Notizbuch und einem »Zu verschenken«-Karton?
»Zwischenhalt Erde« ist ein Leuchtfeuer an originellen Ideen und hat alles, was ein gutes Debüt ausmacht: starke Charaktere, Temperament, Fabulierlust. Und etwas, das man in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur fast mit der Lupe suchen muss: unangestrengten Witz.
Bestellt werden kann das Buch für € 10,- über ranis@lesezeichen-ev.de, im Buchhandel und bei amazon.