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25.02.2015

"Schreiben allein genügt nicht"

von Frank Quilitzsch TLZ

Thüringer Schriftsteller helfen Flüchtlingen

Suhl. "Schreiben allein genügt manchmal nicht. Es gibt Zeiten, wo Autoren auch das Wort ergreifen und öffentlich handeln müssen", sagte der Schriftsteller Landolf Scherzer gestern Abend auf der No-Sügida-Demonstration in Suhl. Dieser Zeitpunkt sei gekommen, seit sich jeden Montag in der südthüringischen Stadt 400 bis 600 Demonstranten - "fast nur noch Neonazis" - auf dem Platz der Einheit versammeln, um anschließend mit Sprüchen wie "Wir sind das Volk" und "Lügenpresse" durch die Straßen zu marschieren. Das seien keine verunsicherten Bürger mehr, die ihre Sorgen und Ängste zum Ausdruck brächten, sondern gut organisierte "Rechte", die, von Coburg und Hildburghausen kommend, Suhl zu ihrem Aufmarschgebiet machen wollten, so Scherzer weiter.

Um dem Einhalt zu gebieten, demonstrieren zur gleichen Zeit Anhänger des Aktionsbündnisses für Demokratie, Toleranz und gegen Rechtsextremismus vor dem Rathaus. "Suhl bleibt bunt" - so das Ziel der aus Vertretern von Kirche, Kommune, Parteien, Vereinen und zahlreichen couragierten Bürgern gebildeten Anti-Sügida-Demonstration, zu der sich auch die Thüringer Schriftsteller bekennen. Die Autoren wollen diese Aktion unterstützen, indem sie ihre signierten Bücher spenden, die im Suhler Buchhaus Waniek zum Kauf angeboten werden sollen. Der Erlös komme der humanitären Flüchtlingshilfe in Thüringen sowie dem Verein "Exit" zugute, der Aussteiger aus der rechten Szene begleitet.

Auch andere Künstler sollten sich der Aktion anschließen und auf adäquate Weise ihre Solidarität mit den Flüchtlingen und Migranten in Thüringen zum Ausdruck bringen, ermunterte Scherzer. Der Autor, der sich seit Jahrzehnten mit Reportagebänden wie "Die Fremden" oder seinem Griechenland-Buch "Stürzt die Götter vom Olymp" für die Rechtlosen und sozial Schwachen einsetzt, dankte gestern Abend all jenen, die einen Wall gegen die Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit bildeten.