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07.03.2015

Romantische Märchen beim Lese-Zeichen auf Burg Ranis

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Die 1942 in Ranis geborene Kristin Wardetzky (links) und Suse Weisse boten am Donnerstag in Ranis romantisches Erzähltheater für Erwachsene. Die Lesung fang im Zusammenhang mit dem Romantikerjahr 2015 in Jena statt und hatte 40 Zuhörer. Foto: Mario Keim

Ranis (OTZ/Mario Keim). Die monatliche Lesung des Vereins Lese-Zeichen im Monat März war dieses Mal keine Lesung im herkömmlichen Sinne. Vielmehr boten die 1942 in Ranis geborene Kristin Wardetzky aus Berlin und die Potsdamerin Suse Weisse romantisches Erzähltheater für Erwachsene und beeindruckten mit ihrer Erzählweise die 40 Zuhörer. Es waren Märchen von Liebe, Trennung und vom Wiederfinden: Romantisch und zuweilen auch fröhlich-frivol.

Beide Frauen wurden mit dem Thüringer Märchen- und Sagenpreis ausgezeichnet und beherrschen das Erzählen aus vollem Herzen, soweit die Zungen tragen. Suse Weisses Gesang und die Erzählkunst beider Frauen waren Unterhaltung auf höchstem Niveau und brachten das Publikum immer wieder zum Schmunzeln.

„Es ist ein spektakuläres Gesamterlebnis, das man so nicht alle Tage hat. Man hat das auch an der Reaktion der Besucher sehr deutlich gemerkt“, schwärmte Lese-Zeichen-Mitarbeiterin Christine Hansmann. „Es war wunderbar. Märchen sind doch immer wieder etwas Schönes“, sagte Besucherin Evelyn Lutz aus Langendembach.

Zum Auftakt trugen Kristin Wardetzky und Suse Weisse gemeinsam Grimms Märchen, „Jorinde und Joringel“ vor, das von Liebe erzählt. Und von den Prüfungen, die zwei Liebende bestehen müssen. Dieses Märchen haben die Erzählerinnen zum Zentrum eines Programms für Erwachsene gemacht. Darin berichten sie von Liebe, Trennung und vom Wiederfinden: Immer beseelt von der Lebensweisheit zahlreicher Generationen, die in den Märchen ihren Widerhall gefunden hat.

„Von den Gebrüdern Grimm stammen 200 Kinder- und Hausmärchen. Kaum aber jemand weiß, dass sie noch 1000 andere Geschichten gesammelt haben“, berichtete Wardetzky. Die Stücke aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sind über den gesamten Erdball verteilt gesammelt worden.

„Das Erzählen von Märchen erlebt seit etwa 30 Jahren eine Renaissance. Und das gilt weltweit." sagte die 72-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Begegnung mit ihrer alten Heimat genoss die in Krölpa aufgewachsene Frau mit Mädchennamen Döbler, die für ihre theaterpädagogische Arbeit das Bundesverdienstkreuz erhalten hat, sichtlich. „Das schreit nach Erinnerungen“. Sie erinnerte sich an die Spaziergänge durch den Hain und Wanderungen hin zur Teufelskanzel. Die Frau, die im ehemaligen Raniser Krankenhaus zur Welt kam, sagte zu Beginn der Lesung: „Vielleicht sollte ich mich vor meinen Eltern verbeugen, dass ich hier aufgewachsen bin.“ Bis zum Studium in Jena lebte sie 22 Jahrein Krölpa im elterlichen Haus.

Mit den Worten „Es hat sehr viel Freude gemacht. Vielleicht können wir ja wieder einmal nach Ranis kommen“, verabschiedeten sich die beiden Frauen, die bereits am Mittwoch zwei Vorträge in Meiningen und am Freitag gleich drei Veranstaltungen in Jena hatten.
Suse Weisse genoss ebenfalls ihren erneuten Gastaufenthalt in Thüringen. „Ich mag die beschwingte Mentalität und die Lebensfreude der Menschen hier“, sagte die Frau, die ursprünglich in Ostfriesland aufgewachsen ist.