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10.04.2015

Romantikerhaus Jena: Neue Veranstaltungsreihe zum "Romantischen Realismus"

von Lioba Knipping TLZ

Die beiden Ideengeber der neuen Veranstaltungsreihe "Romantischer Realismus": Martin Straub (links) und Helmut Hühn im Schiller- Garten. Foto: Lioba Knipping

Neue Veranstaltungsreihe transferiert die Themen der Jenaer Frühromantik in die Gegenwart.

Jena. Romantik und Realismus: Größer könnten die Gegensätze nicht sein; das Eine schließt das Andere eigentlich aus.

Der Begriff Romantik bezeichnet eine geistige Grundhaltung, die als Gegenbewegung zum Rationalismus entstand. Kennzeichnend ist die Betonung des individuellen Naturerlebens als zentrale künstlerische Aussage.

Die Romantiker verstanden die Natur als Offenbarung des Göttlichen. Die philosophischen Grundlagen dafür schufen die Brüder August Wilhelm und Friedrich Schlegel mit ihren Frauen Caroline Schlegel und Dorothea Veit, Friedrich Wilhelm Josef Schelling, Ludwig Tieck und Friedrich von Hardenberg (Novalis) um 1800 in Jena. Die Künstler des Realismus versuchten dagegen, ein möglichst wirklichkeitsgetreues Abbild der sichtbaren Welt zu schaffen.

In Jena gibt es nun im Rahmen des Themenjahres "Romantik. Licht. Unendlichkeit." eine neue Veranstaltungsreihe, die beide Begriffe vereint. Sie trägt den Titel "Romantischer Realismus", Untertitel "Zur romantischen Kritik der Gegenwart". "Wir wollen mit dem Titel provozieren", sagt Helmut Hühn von der Forschungsstelle Europäische Romantik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und "Hüter" des Schillerschen Gartenhauses.

Ziel dieser Reihe ist es, Kunstwerke aus der romantischen Tradition - Literatur, Malerei, Musik - auf ihre Aktualität zu überprüfen, auf ihre Bedeutung für die Gegenwart. "Dazu haben wir uns Gäste eingeladen, Künstler und ,normale Menschen, die miteinander und mit dem Publikum diskutieren", so Hühn. Anknüpfen wolle man damit an die "romantische Geselligkeit", die zur Zeit der Frühromantiker in Jena gelebt worden sei.

"Romantischer Realismus, wo gibt es so etwas?", fragt Martin Straub vom LeseZeichen e.V. Jena und einer der Ideengeber für die Reihe. "Viele Menschen sind heute erstaunt darüber, welche Fragen die Jenaer Frühromantiker diskutiert haben, Fragen, die uns heute noch beschäftigen", so Straub. Deshalb habe man sich Themen vorgenommen wie Raum, Zeit und die Geschlechterverhältnisse.

"Wir können das Heute nicht verstehen, wenn wir nicht schauen, worüber damals gesprochen und geschrieben wurde. Ich kann die Zukunft nur verstehen, wenn ich die Vergangenheit gut kenne", sagt Helmut Hühn. So sei die Frage des Umgangs mit der Zeit für die Romantiker beispielsweise ein großes Problem gewesen. "Sie haben festgestellt: Es kommt eine andere Zeit, in der Geld immer wichtiger wurde."

In vier Veranstaltungen steht ein romantisches Kunstwerk (ein literarisches, ein bildkünstlerisches oder ein musikalisches) im Mittelpunkt der Gespräche. Die Gespräche versuchen, die Differenzen zwischen der romantischen Bewegung um 1800 und unserer Gegenwart auszuloten und im Spiegel der romantischen Werke unsere eigene Gegenwart zu erhellen. Die ausgewählten Werke haben einen expliziten Bezug zur Universitätsstadt Jena: sie entstanden hier, wurden hier vorgelesen oder diskutiert. Das Projekt wird im November abgeschlossen mit einer Aufführung von Franz Schuberts "Winterreise".

Die Veranstaltungsreihe beginnt am Samstag, 18. April, 15 Uhr im Romantikerhaus mit "Selbstbestimmte Räume - wo gibt es sie noch?". Grundlage für die Diskussion ist Ludwig Tiecks Gedicht "Waldeinsamkeit". Es diskutieren der Forstwissenschaftler Alexander Borys, Jens Huschenbett, ein Mitbegründer des "Volksgartens", der Weimarer Schriftsteller Wulf Kirsten und die Literaturwissenschaftlerin Johanna Bohley von der Uni Jena. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung von Luise Hecht (Gesang) und Christian Rosenau (Gitarre). Martin Straub moderiert. Die Reihe wird gefördert von der Kulturstiftung des Freistaats Thüringen und der Philipp Otto Runge Stiftung (Hamburg). Es wird realisiert in Kooperation von Schillers Gartenhaus, Lese-Zeichen e.V. (Jena), Romantikerhaus Jena, JenaKultur und Forschungsstelle Europäische Romantik der Friedrich-Schiller-Universität Jena.