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21.02.2015

Antje Babendererde kommt mit "Isegrim" nach Pößneck

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Antje Babendererde aus Liebengrün stellt in der Pößnecker Bibliothek ihr neues Buch vor. Foto: Dieter Urban

Im jüngsten Buch "Isegrim" widmet sich Antje Babendererde der Rückkehr der Wölfe in Thüringen. Am Dienstag, 24. Februar, um 20 Uhr, liest die in Liebengrün lebende Autorin in der Stadtbibliothek Pößneck aus dem 2013 erschienenen Roman.

In Ihrem spannenden Roman "Isegrim" verbinden Sie geschickt Landleben mit sozialen Beziehungen im Dorf, geschichtlichen Begebenheiten, einem Verbrechen und der Gefühlswelt einer jungen Naturliebhaberin. Dazu kommt das Thema Wölfe in Deutschland. Ist das nicht gleich Stoff für mehrere Bücher?

Stimmt, es steckt wirklich viel in diesen 411 Seiten. Die geschichtlichen Begebenheiten waren ursprünglich nicht geplant, sie haben sich aus dem Schauplatz Ohrdrufer Truppenübungsplatz ergeben, der laut Experten der wahrscheinlichste Ort für eine Wolfsansiedlung in Thüringen darstellte. Ich hätte den geschichtlichen Aspekt auch einfach weglassen können, aber das funktionierte dann nicht mehr. Die Erde dort ist getränkt mit trauriger Geschichte und beim Schreiben ließ sich das nicht mehr aus meinem Kopf verbannen.

Wie lange haben Sie an dem Buch gearbeitet?


Ungefähr anderthalb Jahre. Ich war mit einer Försterin und dem damaligen Kommandanten auf dem Truppenübungsplatz. Stefan Böttner, der den Wolf später fotografierte, hat mir eine Menge über Flora und Fauna und die Mythen der Gegend erzählt. Um etwas über so genannte deutsche Wölfe zu lernen, habe ich in der Lausitz mit Wildbiologen, Wolfsexperten und einem Schäfer gesprochen. Ich habe an einem so genannten Wolfskurs teilgenommen - also auch etwas über geschnürten Trab, Spurenlesen und die Zusammensetzung von Wolfslosung gelernt.

Ausgerechnet in Ohrdruf, wo Ihr Roman spielt, wurde im vergangenen Jahr ein Wolf entdeckt. Was haben Sie dabei gedacht?

Manchmal ist Literatur prophetisch, aber in meinem Fall lag es hauptsächlich daran, dass ich gute Informanten hatte. Der Ohrdrufer Truppenübungsplatz war Wolfserwartungsland und ganz vorbildlich ist diese Wölfin dort aufgetaucht und hat sich ­sogar dort niedergelassen, was ich zunächst gar nicht zu hoffen gewagt hatte. Zugegeben, ich habe mich riesig gefreut und wollte es auch erst gar nicht glauben.

Wie kam es, dass Sie sich in einem Buch so intensiv Ihrer Heimat zugewandt haben, nachdem Sie sich doch zuvor erfolgreich dem Thema Indianer verschrieben hatten?

Beim Schreiben habe ich mich bisher immer auf meinen inneren Kompass verlassen. Die Indianer waren fast zwanzig Jahre lang mein Thema, in dem ich richtig aufgegangen bin, und das hatte nicht nur mit meiner Arbeit als Schriftstellerin zu tun. Ich habe fünfzehn Indianer­bücher geschrieben, und während der Recherche für "Julischatten" gemerkt, dass mich das Leben der Lakota in Pine Ridge mit seiner dunklen Seite zu durchdringen beginnt und ich die Hoffnung verliere. Da wurde mir klar: Ich brauche ­Abstand. Vielleicht einen neuen Blickwinkel, um wieder über ­Indianer schreiben zu können.

Wie haben Ihre zumeist jugendlichen Fans auf die Buchveröffentlichung reagiert?


Mit "Isegrim" habe ich mir eine ganze Reihe neuer Leser erobert. Einige Leser, die seit Jahren treue Fans sind, kamen mit dem weniger exotischen Schauplatz und der Themenfülle nicht klar und haben mir das auch deutlich zu verstehen gegeben. Andere lieben "Isegrim" mehr"als die Indianerbücher. Der Lesergeschmack ist eben sehr individuell.

Im vergangenen Jahr waren Sie wieder im Indianerreservat Pine Ridge unterwegs. Folgt jetzt ein weiterer Roman aus Thüringen oder gibt es angesichts der jüngsten Reise doch wieder eine Reportage aus dem Land der Indianer?

Mein nächster Roman wird wieder in Thüringen spielen. Aber auf meiner letzten Reise ins ­Reservat habe ich wieder so viele unglaubliche Geschichten gehört, dass ich Lust verspürt habe, wieder ein Indianerbuch zu schreiben. Ich glaube, ich habe jetzt genügend inneren Abstand zur problem­beladenen Seite der Thematik. Das Lebensbejahende gewinnt wieder Oberhand.

"Isegrim" ist ein Jugendbuch. Sie werden aber in Pößneck vor Erwachsenen lesen. Bereiten Sie sich auf diese Lesung anders vor?

Ich hatte schon viele Lesungen vor allem für Erwachsene aus "Isegrim", mehr als mit meinen Indianerbüchern, und sie waren immer sehr schön und es gab viele Fragen. Größtenteils lese ich dieselben Stellen, die ich für die Jugendlichen ausgesucht habe. Aber es gibt eine Szene, die ich nur bei Abendveranstaltungen vorlese. Abgesehen davon: Ich hoffe, es werden in Pößneck auch ein paar Jugendliche im Publikum sitzen!

Sie betreiben schon lange eine Internetseite, auf der es neben Leseproben auch viele Reaktionen der Literaturfans nachzulesen gibt. Sie sind auch bei Facebook dabei. Wie ist Ihr Verhältnis zu Computern?


Der Computer ist mein wichtigstes Arbeitsmittel. Am Computer zu schreiben, Textstellen hin- und herschieben zu können und auch das Lektorat papierlos über die Bühne zu bringen, ist eine ungeheure Arbeitserleichterung. Bei Facebook muss man sicherlich nicht zwangsläufig sein, aber als Autorin oder Autor eine Webseite zu haben, ist von großem Vorteil. Allerdings fällt es mir schwer, meine Seiten aktuell zu halten, besonders, wenn ich im Schreibprozess bin. Die Autorin im Internet:

www.antje-babendererde.de