Presse - Details

 
13.06.2017

400 Gäste bei Andrea Sawatzki auf Burg Ranis

von Helmut R. W. Herrmann Ostthüringer Zeitung

Andrea Sawatzki, eine sehr sympathische Persönlichkeit. Foto: Helmut R. W. Herrmann

Ranis. Der Auftritt von Andrea Sawatzki war der würdige Abschluss der 20. Thüringer Literatur- und Autorentage auf Burg Ranis, den sich die fleißigen Organisatoren gewünscht hatten. Bis unmittelbar vor Beginn der Veranstaltung mussten Bänke herangeschafft und neben dem Lesezelt platziert werden, um dem Besucheransturm gerecht werden zu können. Um die 400 Gäste aus Nah und Fern erlebten einen lauen, zum Ende stürmischen Sommerabend mit einer äußerst sympathischen, sprachgewitzten Schauspielerin und Autorin.

Sie las, nein, sie spielte Kapitel aus "Ihr seid natürlich eingeladen", dem mittlerweile dritten Buch ihrer Familienserie. Im Mittelpunkt steht hier die ebenso sympathische wie chaotische Familie Bundschuh, deren ältester Sohn mit künftiger Frau und Schwiegereltern aus den USA anreist, um in Deutschland zu heiraten. Die turbulente Geschichte speist sich nicht nur aus dem Erstaunen der Familie der Protagonistin Gundula, dass sowohl Schwiegertochter als auch Schwiegervater Farbige sind und die mögliche Schwiegermutter Chinesin, sondern aus den originellen Charakteren der ganzen Familie, die Andrea Sawatzki sehr detailliert beschreibt und ihnen im Vortrag auch die besondere Persönlichkeit herausstreicht.

Es gab genügend Anlass zum Lachen, viele neu gekaufte Bücher musste die Künstlerin signieren, immer wieder für Fotos lächeln. Dies tat sie bewundernswert ausdauernd und sie sprach begeistert über ihr "besonderes Publikum" auf Burg Ranis. In diesem saß beispielsweise Brigitte Krause aus Brandenstein, die, wie sie sagte, sehr angetan war von Andrea Sawatzki, dem sehr unterhaltsamen Abend, der perfekt vorgetragenen Lesung.

Im Begrüßungsgespräch mit Andreas Berner, dem Vorsitzenden des Literaturtage-Veranstalters Lese-Zeichen e. V., erläuterte Andrea Sawatzki auch, dass sie alle Rechte an ihren Büchern nach Fertigstellung an eine Filmproduktionsfirma abgebe und dann oft ziemlich erstaunt sei, dass sich sowohl Handlungsorte als auch Figuren ihrer Bücher im Film stark veränderten. Nicht immer lasse sie dies kampflos zu. Deshalb plane sie, künftig kein Buch mehr zu schreiben, sondern lieber direkt das Drehbuch zum Film. Nach ihren Motiven fürs Schreiben befragt, erzählte sie von ihren gebildeten Eltern, die früh das Interesse am Buch, an der Wissensansammlung geweckt hätten. Und sie erklärte auf Nachfrage, dass sie keinen wirklichen Unterschied zwischen ihrem Psychothriller "Ein allzu braves Mädchen" und den folgenden Schwarzen Komödien sehe – immer gehe es um Menschen in Krisen. Andrea Sawatzki interessiert sich nicht nur literarisch-künstlerisch für dieses Thema, sie hat auch eine Stiftung für Kinder mit Traumata-Hintergrund ins Leben gerufen.

Insgesamt dürfte Andrea Sawatzki am Sonntagabend auf Burg Ranis viele neue Fans gewonnen haben – und hoffentlich auch die Organisatoren der Literaturtage für ihre 21. Auflage.